Tagungsthema

Im Jahr 2016 findet vom 30. März bis 01. April die 61. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Leipzig statt. Unter dem Motto „100 Jahre Kommunikationswissenschaft in Deutschland: Von einem Spezialfach zur Integrationsdisziplin“ wird der dynamische Strukturwandel von Kommunikation und Medien, vorangetrieben durch technologische Entwicklungen, soziale und gesellschaftliche Veränderungen und ökonomische Kontexte, diskutiert. Mit Gründung des „Instituts für Zeitungskunde“ in Leipzig im Jahr 1916 entwickelte sich einst die heutige Kommunikationswissenschaft als für die Gesellschaft wichtige Integrationsdisziplin. Neben dem 100-jährigen Institutsgeburtstag feiern wir 100 Jahre Kommunikationswissenschaft in Deutschland.

Die Ausweitung von Kommunikationsphänomenen in unserer Informations- und Mediengesellschaft fordert die Kommunikationswissenschaft als für die Gesellschaft wichtige Integrationsdisziplin stark heraus. Der dynamische Strukturwandel von Kommunikation und Medien wird u.a. vorangetrieben durch technologische Entwicklungen, soziale und gesellschaftliche Veränderungen und ökonomische Kontexte. Vor diesem Hintergrund geht die 61. Jahrestagung der DGPuK im Jubiläumsjahr der Frage nach:

 

Was leistet die Kommunikationswissenschaft als Integrationsdisziplin…

 

… in ihrem Kern?

Auch eine Integrationsdisziplin wie die Kommunikationswissenschaft hat einen Kern, der das Fach im Innersten zusammenhält. Angesichts der dynamischen Ausweitung der behandelten Phänomene, der herangezogenen Theorien und eingesetzten Methoden diffundieren die Ränder immer schneller. Es stellen sich daher beispielsweise die Fragen:

Welche Gegenstände und Fragestellungen markieren aber das Zentrum der Kommunikationswissenschaft, die fortwährend im Rahmen von Theorieentwicklung und Grundlagenforschung bearbeitet werden? Gibt es einen Kanon an Grundwissen? Was sind die fundamentalen Theorien jenseits der stetigen Adaption weiterer Ansätze aus Nachbardisziplinen? Was sind „die“ Methoden der Kommunikationswissenschaft und wie werden sie kultiviert?

 

… in ihrer Breite, mithilfe anderer und für andere Disziplinen?

Das Spektrum der Kommunikationswissenschaft wird seit Jahren stetig größer und komplexer. Sichtbare Zeichen sind etwa die Untergliederung der DGPuK in 16 Fachgruppen und drei Ad-hoc-Gruppen und eine große Diversifizierung der Artikel in den Fachzeitschriften. Längst ist das Fach von einem Einzelnen kaum mehr zu überschauen. Als Integrationsdisziplin inkorporiert die Kommunikationswissenschaft Teilbereiche anderer Fächer. Umgekehrt stellt sie transdisziplinär ihre Leistungen anderen Wissenschaften zur Verfügung. Daraus ergeben sich u. a. die Fragen:

Wie sieht das Spektrum der Kommunikationswissenschaft aus und was wird in der kompletten und komplexen Breite bis hin zu „exotischen“ Fragestellungen, Theorien und Methoden geleistet? Wo sind die Schnittmengen der Fach- und Ad-hoc-Gruppen? Was sind die Gründe für die Diffusion der Kommunikationswissenschaft? Welchen anderen Fächern kann die Kommunikationswissenschaft auf welche Weise nützlich sein? Aus welchen Disziplinen bedient sich die Kommunikationswissenschaft? Welche Fächer bringen eine sinnvolle Erweiterung für das Portfolio und die Leistungsfähigkeit der Kommunikationswissenschaft? Welche Fragestellungen, Theorien oder Methoden sind es, von denen die Kommunikationswissenschaft profitieren kann, ohne gleichzeitig ihr Profil zu verlieren?

 

… für die Gesellschaft, für die Medienpraxis und -ausbildung?

Die Kommunikationswissenschaft ist eng mit dem gesellschaftlichen System verbunden, für das sie Leistungen erbringt. So bedeuten 100 Jahre Kommunikationswissenschaft in Deutschland z. B. auch fünf politische Systeme. Zudem zeichnet die Kommunikationswissenschaft in vielen Bereichen eine angewandte Forschung und dadurch große Praxisnähe aus. Sie trägt elementar zur Ausbildung in der Medien- und Kommunikationsbranche bei. Ihren Boom hat die Kommunikationswissenschaft auch der sprunghaft gestiegenen Nachfrage nach akademisch ausgebildeten Kommunikationsexperten zu verdanken. Aufgrund ihrer zunehmenden Bedeutung für die Gesellschaft, Medienpraxis und -ausbildung können Hochschulstandorte von der Kommunikationswissenschaft als Integrationsdisziplin profitieren. Hier stellen sich Fragen wie:

Welchen gesellschaftlichen Fragen geht die Kommunikationswissenschaft nach? Welchen Erkenntnisfortschritt erbringt sie für unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche? Was leistet sie für die Kommunikations- und Medienbranche? Und was erwartet diese von der Kommunikationswissenschaft z.B. hinsichtlich der Aus- und Weiterbildung an Hochschulen oder hinsichtlich (Auftrags-)Forschung? Was erwarten Organisationen in anderen Bereichen (von der Industrie bis zur Medizin) von der Kommunikationswissenschaft? Was erwartet sie hinsichtlich angewandter (Auftrags-)Forschung und möglicher Joint Ventures? Welchen Nutzen haben Hochschulen von kommunikationswissenschaftlichen Instituten? Wie befruchtend wirkt diese Integrationswissenschaft für andere Disziplinen innerhalb der jeweiligen Hochschule? Wird ein geeignetes Spektrum an Studiengängen in Deutschland angeboten?